Orte der IndustrieKultur in Rath und Mörsenbroich von A -Z

A - Augustakrankenhaus

In Teilen ein Baudenkmal, die Ausführung des Bauteils von 1903 durch den Bauunternehmer Heinrich Florack (1847–1912). 
Als Folge der starken Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung auch in Düsseldorf stark zu. Durch die Ansiedlung von groß- und mittelständischen Betrieben (Poensgen, Sack, Mannesmann, Rheinmetall, Sack & Kisselbach, Paguag u.a.) war auch die Gemeinde Rath betroffen, die dadurch ihre vorwiegend landwirtschaftliche Prägung verlor. Den damit verbundenen Anforderungen an eine ausreichende medizinische Versorgung waren die vorhandenen Spitäler und Asyle nicht mehr gewachsen. Wie in allen Industriereichen Gegenden in und um Düsseldorf wuchs auch in Rath das Bedürfnis nach angemessener medizinischer Versorgung der Bevölkerung.  Insbesondere die Arbeiter in der Eisen- und Stahlindustrie litten häufig an den Folgen schwerer Arbeitsunfälle oder aufgrund der schweren körperlichen Arbeit an chronischen Abnutzungserkrankungen. So wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Genehmigung des Erzbistums Köln und großzügigen Spenden priv. Geldgeber der Bau eines katholischen Krankenhauses beschlossen. Im September 1904 war das Krankenhaus Rath soweit fertiggestellt, dass mit fünf Schwestern der „Töchter vom Heiligen Kreuz“ der Betrieb im St. Josefs-Krankenhaus eröffnet werden konnte. Erst nach der Eingemeindung Raths nach Düsseldorf wurde es 1910 in Augusta-Krankenhaus umbenannt.

B - Bergisch - Märkische - Eisenbahn-Gesellschaft (BME)

Die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft eröffnet am 01. Februar 1872 die Strecke von Oberbilk BME, Grafenberg BME, Rath Rh. BME., über Ratingen-Ost, Hösel und Kettwig nach Kupferdreh, die südliche Ruhrtalbahn. Der Bergisch-Märkische Bahnhof Rath befand sich im Erholungsort Aaperwald/Rath, in Höhe der heutigen Haltestelle Oberrath. Der Bahnhof wurde schon 1891 geschlossen und der Streckenabschnitt zum Rather Bahnhof verlegt. Auf dem alten Gleiskörper fährt heute die Stadtbahn U72 nach Ratingen.
Die Strecke Düsseldorf – Essen-Werden wird seit 1968 von der S 6 bedient.

B - Bauartikelfabrik A. Siebel

Rather Broich 155-165 
- HOLZHAUS- UND BARACKENBAU
-  ASPHALT- UND TEERWERKE
Bergstraße, Haltestelle Siebel (Zentrale) der elektrischen Straßenbahn, Linie 12 nach Ratingen. Werks-Wohnhäuser am Ratherbroich
Gründung 1865 i.d. Ritterstr. Lagerhäuser, dann Wehrhahn/Ostraße Büros, Lager und Fabrikbauten, durch Brand 1895 zerstört. Die Betriebe der beiden Werke umfassen die Holzbearbeitungs-Fabrik mit modernen Holztrockenkammern, die Eisenwaren-Fabrik, Bau- und Kunstschmiede mit autogener Schweißanlage, die Fabrik von Asphaltprodukten, Dachpappen, teerfreien Pappen und Bleiisolierungen mit Bleilöterei und Küferei sowie die Teer- und Benzoldcstillation und die Fabrik von schwarzen und farbigen Lacken. Einen besonders ausgebildeten Spezialzweig der Firma bildet die Herstellung wasserdichter Abdeckungen und Auskleidungen in allen Ländern Europas.
Die Firma beschäftigte in der Regel 100 bis 200 Beamte und Arbeiter, war aber für Zeiten der Hochkonjunktur mit Arbeitsplänen, Maschinen und Werkzeugen für die doppelte Anzahl eingerichtet.Der Staatsbahn-anschluß an den Güterbahnhof Düsseldorf-Grafenberg und die Verladeeinrichtungen sind Für die tägliche Versendung von 20 Waggons eingerichtet. 
Acht eigene Wohnhäuser für 17 Familien, drei Siebelsche Holzhäuser an der Forst- und Bergstraße als Einfamilien-Wohnungen inmitten von Gartenanlagen direkt am Werk und eine Parkanlage zum Düsseldorfer Stadtwald hin. Zur Unterstützung der Angestellten dienen ein Beamtenhilfsfonds, ein Arbeiterunterstützungsfonds, sowie ein Unterstützungsfonds für die Angehörigen der im Kriege befindlichen Angestellten.

C - Cölln-Mindener Eisenbahn (CME)

Die Inbetriebnahme dieser Stammstrecke von Köln-Deutz, Düsseldorf, Duisburg nach Minden erfolgte bereits 09.Februar 1846. Zunächst ohne Halt in Unterrath, dieser, zwischen dem Bf. Derendorf und Kalkum gelegende Bahnhof, wurde erst 1891 eröffnet.  Da es im heutigen Oberrath bereits eine Bahnstation mit dem Namen Rath gab, bekam zur besseren Unterscheidung der neue Bahnhof im eigentlich alten Stadtteil nun den Namen Unterrath. 

D - D-Zug-Siedlung Kürtenstraße

Baudenkmal. Vom Architekten Bernhard Düttmann im Bauhaus-Stil konzipierte Siedlung. Die Siedlung wurde vom Düsseldorfer Spar- und Bauvereins, einer gewerkschaftlichen Gründung, entwickelt und gebaut. Erster Bauabschnitt 1929 -1938, die ersten 128 Häuser an der Kürten-, Brackeler- und Aplerbeckerstraße wurden fertiggestellt. Der Baubeginn der Siedlung fiel in die Zeit der heraufziehenden großen Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, diese verzögerte die Bauzeit aufgrund der damit verbundenen Finanzierungsprobleme. In der Nähe großer Industriebetriebe und war vorwiegend für Arbeiter gedacht. Die Einfamilienreihenhäuser mit der zeittypischen Backsteinfassade umfassten 4 Zimmer und ein Bad mit Toilette, zum Haus gehörte ein kleines Ziergärtchen auf der Straßenseite und ein Nutzgarten als Mindestmaß an Selbstversorgung unmittelbar hinter dem Haus. Die Siedlung hieß von Anfang an D-Zug-Siedlung, weil die Häuser an der Kürtenstraße einem D-Zug in der Kurve ähneln und die Kleinsthäuser „Abteil an Abteil“ aneinanderkleben. Der Begriff „D-Zug“ steht dabei auch für „Durchgangszug“, welches damals der Begriff für einen schnellen Fernzug war und die moderne, fortschrittliche Ausrichtung betont. Die Siedlung verfügt über einen großen Spielplatz als Gemeinschaftsbereich. 

D - Siedlung Dortmunder Straße

Wohnsiedlung Dortmunder Str. 69-81 (Baudenkmal)
Baujahr 1921–1922 Wohn- und Siedlungsbauten der Zwanziger Jahre. Die Bauten wurden nach den Plänen des Architekten Heinrich Pütter durch die Firma Salz und Schmitz für Mannesmann errichtet. Auf der Rückseite findet man die zu der Zeit klassichen kleinen Gärten zur Selbstversorgung. Das Objekt ist aufgrund eines fast unveränderten Zustandes ein wichtiges Zeugnis des Arbeiterwohnungsbaus. Es handelt sich um schlichte Arbeiterwohnungen ohne besonderes Dekor. Solche Wohnanlagen sind heute nur noch selten derart unverändert vorzufinden. Es ist da­her sowohl aus architekturgeschichtlichen als auch als sozialgeschichtlichen Grün­den ein Dokument der Düsseldorfer Industriegeschichte.
Sie steht mitten in der später entstandenen Mannesmann-Siedlung ( Dortmunder-, Gelsenkirchener-, Hattinger-, Harpener-, Rechlinghausener Straße und Röhren­straße ). Die Mannesmannröhren-Werke verfügten alleine in Rath über 1.500 Werkswohnungen. Heute gehören viele der Häuser der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH und sind zum Teil in den letzten Jahren renoviert und ausgebaut worden.

E - Erste elektrische Straßen-Bahn in Düsseldorf 

Die erste elektrische Straßen-Bahn in Düsseldorf wurde am 27. Januar 1896 er-öffnet, Strecke Schützenstrasse (Wehrhahn) entlang der Grafenberger Allee bis Grafenberg-Gutenbergstrasse, ca. 2,6 km lang. 
Am gleichen Tage auch die zweite, die Zweigstrecke (Kleinbahn) von der Grafenberger Allee (Haniel & Lueg) nach Rath und ab November 1897 bis nach Ratingen (Düsseldorfer Strasse, 7,4 km).
Die Rheinbahn wurde von Industriellen, darunter Franz Haniel und Heinrich Lueg, gegründet. Die Linie verlief zunächst parallel zur Eisenbahn Güterstrecke Grafenberg-Rath, dann wird die stillgelegte Strecke der Berg. Märkischen Eisenbahn zwischen Rather Broich und Hubertushain genutzt, bevor dann bis Ratingen die Landstraße benutzt wird. Heute die Linie U72.

 E - Esprit Showroom und Design Studio

Baudenkmal, Vogelsanger Weg 49 mit Gartenanlage 
Die Gebäude und Lagerhallen sind ein Technisches Denkmal, Baujahr 1985-1986. Entworfen vom ital. Architekt und Stardesigner Ettore Sottsass. Gebaut im sogenannten Memphis-Style. Sie wurden repräsentativ für Werbeaufnahmen und Modeschauen genutzt. Heute werden die Hallen vom Gino's Kinderland Indoorspielplatz Düsseldorf belegt.

F - Forsthaus im Aaper Wald

Baudenkmal, Oberrather Str. 71a, Baujahr 1904
Vom Regierungsbaurat Bongard für die Kreisbauinspektion errichtetes Doppelwohnhaus für die zwei Fußgendarmen der Gemeinde Rath. Es hat Stallteile und Gartenflächen zur Selbstversorgung und stellt damit ein Zeugnis der Wohnungsfürsorge der Regierung dar, die es den Nutzern ermöglicht, durch Tierhaltung und Gartennutzung ihren Lebensstandard über das Gehalt hinaus, deut-lich zu verbessern. Heute ist es ein Forsthaus für die Revierförster.

G - Gut Kattenstomp

Oberhausener Str. 14 a, Baudenkmal Hofanlagen, Gutshof
Laut der Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf von 1832 gehörte zur Honschaft Rath auch der Ackerhof Katzenstumpf. Die Bauten der Hofanlage stammen überwiegend aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Bauten in dieser Anordnung sind bereits auf der Urkarte von 1838 enthalten. Die Hofanlage trägt den Namen Gut „Kattenstromp“, auf älteren Plänen ist auch von „Katzenstrump“ die Rede. Als letzte erhaltene große Hofanlage in Rath, lässt der Hof und die Umgebung noch erahnen, wie ländlich geprägt die Hohnschaft Rath mal war.

H - Hochbunker

Im Stadtteil Rath gibt es zwei Hochbunker (Baudenkmäler):
- Münsterstraße 500 (Fotos)
Architekt Fritz Hillebrand, Baujahr 1941, ein alter Belegungsplan weist Räume mit insgesamt 302 Betten nach. An der Bunkerseite zur S-Bahnstrecke gibt es ein Wandbild von 40 Grad Urban Art, Kunst im öffentlichen Raum, 1987 Wandhalbgruppe Düsseldorf, 2010 restauriert, Künstler: Klaus Klinger, Farbfieber e.V. Die Wandmalerei stellt die Bedrohung des Menschen durch den Luftkrieg dar (Mutter mit Kind, sowie Bomben am südöstlichen Vorbau).
- Rather Kreuzweg 81
Architekt: Carl Krieger, Baujahr 1942

H - Hubertus-Hain

Als Oberrath mit dem Aaper Wald noch ein Luftkurort (für Brust- und Nervenkranke) war, stand hier mal das prachtvolle Ausflugslokal „Parkrestaurant und Sommerfrische Hubertus-Hain“. Vom dahinterliegenden Aussichtsturm konnten die Besucher bis in die Kölner Ebene schauen. In der Nähe im Aaper Wald gab es getrennte Erholungsheime für Frauen und für Männer. 

I - Industriekultur - Das industrielle Erbe ist vielschichtig 

Der Begriff Industriekultur steht für die Beschäftigung mit der gesamten Kulturgeschichte des industriellen Zeitalters. Motor dieser Entwicklung ist die Erfindung der Dampfmaschine - mit ihrer neuen Art der Krafterzeugung, stetig und standortunabhängig. Industriekultur befasst sich mit der Geschichte der Technik, der Geschichte der industriellen Artefakte und deren Gestaltung, der Sozialgeschichte der Arbeit, der Architekturgeschichte der Produktionsstätten sowie der Unternehmer- und Arbeiterwohnungen (Industriearchitektur), der Entwicklung des geografischen Raumes („Industrielle Kulturlandschaft“). Kunstwerke der Industriekultur finden sich insbesondere in der Industriemalerei und in der Industriefotografie. Industriekultur ist damit eng mit allen Veränderungen der Menschen, aber auch mit ihren sozialen Konflikten und den gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Die Beschäftigung mit Formen der Industriekultur fragt damit zugleich nach dem gesellschaftlichen Umgang mit der durchaus konfliktreichen Industriegeschichte und den Formen der Erinnerung, die sich mit Orten, Akteuren und Produktionsstätten, besonders auf lokaler und regionaler Ebene, verbinden.

K – Kinos in Rath und Mörsenbroich

Bereits 1913 wurde das erste Kino, die Rather Lichtspiele, in einem Wohnhaus an der Ecke Rotdornstraße/Westfalenstraße eingerichtet und besaß 200 Plätze. 1942 wurden das Wohnhaus und das Kino durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Die Schauburg-Lichtspiele haben 1929 mit 490 Sitzen im umgebauten Tanzsaal an der Westfalenstraße 88 den Betrieb aufgenommen. Durch Kriegsschäden ruhte der Filmbetrieb zwischen 1944 und 1947 und wegen Geldmangel zwischen 1959 und 1966. Nach sieben Jahren Spielpause wurde hier das Stern-Theater eröffnet, das erstaunlich lange, bis 1985 durchhielt. Das Stern-Theater gab es schon von 1956 bis 1966 an der Ecke Münsterstraße/Rather Kreuzweg, mit mehr als 600 Sitzen. Der Tanzsaal der Gaststätte Nickel an der Oberrather Str. 57 wurde 1946 zum Kino Stadtwald-Lichtspiele umgebaut und erhielt rund 500 Plätze. Das Kino schloss im Oktober 1966.  
In Mörsenbroich eröffnete erst 1958 das Luxor-Filmtheater in einem Wohnhaus an der Ecke Münsterstraße/Vogelsanger Weg in dem zuerst rund 600 Besucher Platz fanden. Nach mehren Verkleinerungen auf ca. 250 Plätze gab der Pächter bereits April 1964 endgültig auf.

L - Lentz & Zimmermann Gießereimaschinen

Theodorstr. 290, gegründet 1906, Giessereimaschinen Patent Bonvillain & Ronceray, Druckluft-Rüttel-Preßformmaschinen für Gießereien, später die Gustav Zimmermann Maschinenfabrik GmbH. Das Unternehmen fertigte primär hochbelastbare Formmaschinen, die mittels Pressluft betrieben wurden und in metallverarbeitenden Betrieben sowie Gießereien zur Herstellung von Gussformen unverzichtbar waren. Historische Bestell- und Lieferdokumente (unter anderem aus den Nachkriegsjahren 1946–1949) belegen die Relevanz der Maschinen beim Wiederaufbau der deutschen Schwerindustrie, Produktion bis ca. 1985

M - Mannesmann-Röhrenwerke Rath

1899 Mannesmann-Röhrenwerke, Beginn der Produktion von Stahlrohren 
- Werk der Deutsch-Österreichischen Mannesmann- Röhren Werke (Kreuzweg),
Nahtlos-Rohrwerk,1908 erhielt das Unternehmen den neuen Namen Mannesmannröhren-Werke AG 
- Werk der Deutsche Röhrenwerke AG (Gatherstr. / Gather Hof, jetzt Theodorstr.), Verwaltungsgebäude wo sich heute Hoberg & Driesch befindet, Schweißrohr­werk (nicht der Name Mannesmann wegen des Röhrensyndikates gegen Mannes­mann, rechtlich selbstständig), 1927 Verlagerung der Produktion nach Duisburg-Huck­ingen.
Beide Werke haben 1900 bereits 1.700 Arbeitskräfte, über 120 Jahre größter und wichtigster Arbeitgeber und größter Ausbildungsbetrieb in Rath. Im Zweiten Weltkrieg wichtiger Zulieferbetrieb für die Rüstungsindustrie mit Fremd- und Zwangsarbeiter Einsatz.  Das Werk wurde durch den größten Luftangriff im Düsseldorfer Norden am 02. Nov. 1944 stark zerstört, nach Kriegsende folgten kleinere Demontagen. 
Bereits im Juli 1945 erteilt die Militärregierung eine Produktionsgenehmigung, zunächst für zwei Monate, die Zahl der Beschäftigten wird auf 2.000 und auch die tägliche Stromentnahme begrenzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Mannes­mannröhren-Werke liquidiert und in die Mannesmann AG eingegliedert. 1969/70 erfolgte unter dem Konzerndach von Mannesmann die Neugründung der Mannesmannröh­ren-Werke AG, damit entstand einer der weltgrößten Röhrenproduzenten. Das Werk in Rath beschäftigte bis zu 5.000 Beschäftigte, bis Anfang der 80er Jahre über 4.000 Mitarbeiter, danach gab es immer wieder Personalabbau.
Das Unternehmen ist 1997 unter dem Namen Vallourec & Mannesmann Tubes (V & M Tubes) als französisch-deutsches Joint Venture der Vallourec-Gruppe und der damaligen Mannesmann-röhren-Werke AG gestartet. Im Juli 2005 übernahm die französische Vallourec S.A. die bis dahin von der Salzgitter AG gehaltenen Anteile am Joint Venture. Seitdem war V & M Tubes eine 100-prozentige Tochter der Vallourec S.A. Ab dem 1. November 2013 firmiert die deutsche Tochter unter Vallourec Deutschland GmbH. Das Rather Werk verfügte über zwei Warmwalz­werke. Die Stopfenstraße stellte Futterrohre (Casings) und Leitungsrohre für die Öl- und Gasindustrie, Kesselrohre, Rohre für die mechanische Bearbeitung und Stahl­bau-Hohlprofile her. Für die Rohrproduktion gab es im Stopfenwalzwerk Schräg-, Stopfen-, Glätt- und Maßwalzstraßen. Die Produktlinien der Pilgerstraße glich denen der Stopfenstraße. Die Rohrproduktion erfolgt hier in Schräg-, Streck-, Pil­ger- und Maßwalzstraßen. Die Produktion wurde von Vallourec nach Brasilien verla­gert und das Werk wurde, trotz großer Proteste, Ende 2023 geschlossen.
 

Die Denkmäler auf dem Betriebsgelände:
Objekte: Das Schwungrad mit Antriebsaggregat aus Lierenfeld, ein Pilgerwalzwerk von 1909 aus Remscheid (bei Gebäude 159), ein Schrägwalzwerk aus Remscheid von 1907 (bei Tor 5), das Ehrenmal Bronzefigur „nackter Mann“ mit Sockel, Ehrenmal von 1951, Inschrift Sockel „Den Toten zum ehrenden Gedenken“ und die Skulptur Röhrenschlange von 1937, ein in sieben Bögen aufsteigendes Edelstahlrohr, das für die Ausstellung „Schaffendes Volk“ angefertigt wurde.
Gebäude: Die Reparaturschmiede von 1899 (Gebäude 101-A27), dem Baujahr der beiden Röhrenwerke, das einzige erhaltene Gebäude aus der Gründerzeit und somit das älteste erhaltene Gebäude auf dem Werksgelände. Der Arbeiter-Speisesaal und das Beamtenkasino aus den Jahren 1926–1927 (Gebäude 150-A7) wurden bis zur Stilllegung als Kantine benutzt und waren auch mal Wahllokal. Die Ausstellungshalle (Gebäude 157-A 15) von 1909, die für die Pariser Weltausstellung gebaut wurde und hier wieder aufgebaut wurde. Sie diente zuerst als Speisesaal, später als Halle für die Werksfeuerwehr (siehe Foto). Die Walzendreherei aus dem Jahr 1921 (Gebäude 102 – A24), die elektrische Zentrale und Hydraulik mit dem Presswasserwerk von 1921 (Gebäude 166-B17) und ein Hochbunker der Bauart Winkel (Winkelbunker, Spitzbunker, Betonzigarre). Die Konstruktion geht auf Leo Winkel zurück.
 

 M - MAN Stahlhaus

Reichswaldallee 31, Baujahr 1951, Baudenkmal Wohn- und Siedlungsbauten 1945-1965. 
Das MAN Stahlhaus war ein vorgefertigtes Gebäude von MAN (Maschinenwerke Augsburg-Nürn-berg). Insgesamt wurden von 1948 bis 1953 weltweit 230 Einheiten gebaut. Die MAN-Fabrik in Ginsheim-Gustavsburg, auf der Suche nach neuen nicht-militärischen Märkten nach dem Zweiten Weltkrieg, baute ab 1948 Fertig­häuser aus Stahl, nach einem Konzept aus den 1920er Jahren. 
Die Wandelemente wurden in der Fabrik MAN vorgefertigt und dann mit einer Stahlrahmenkonstruktion verschraubt, die vor Ort auf einem Ziegelfundament errichtet wurde und zwischen den äußeren Stahlblechen und Hartplatten innen eine Wärme­dämmschicht aus Glasfasermatten lag, mit einem Dämmwert ähnlich dem einer 80 cm dicken Ziegelwand nach historischen Werbebroschüren. Die Außenseite der Stahlwände wurde als Korrosionsschutz mit einem lösemittelbasierten Lack lackiert. Die Qualität der MAN Stahlhäuser erwies sich im Vergleich zur damaligen Konkur­renz als hervorragend. Aufgrund der guten Wärmedämmung, der feuerverzinkten Bauteile und der wärmebehandelten Lacke gab es sehr wenig Korrosions- und Kondensationsprobleme. Ein Haus mit einfacher Ausstattung kostete etwa 17.400 bis 18.800 DM (heute ca. 113. Tsd. bis 125. Tsd. Euro), was im Vergleich zu anderen Fertighäusern, die bereits ab 3.500 DM angeboten wurden, relativ teuer war. Inklu­sive spezieller Armaturen wie Küche, Badezimmerausstattung und Warmwas­serzentralheizung kosteten die MAN Stahlhäuser ca. 30.000 DM. In Deutschland sind etwa 40 MAN-Stahlhäuser verblieben.

R - Rather Rathaus

Als selbstständige Landgemeinde (1899-1909) bekommt Rath 1903 ein Rathaus am Rather Markt. Anton David war der erste und einziger Bürgermeister von Rath. Das Rathaus wurde 1944 stark zerstört und nicht wieder aufgebaut.

R - Rheinische Eisenbahngesellschaft

Die Rheinische Eisenbahngesellschaft eröffnet 1874 die 61 km lange Strecke von Troisdorf, Köln-Mülheim, über Rath, Ratingen-Westbahnhof und Lintorf nach Mülheim (Ruhr), mit dem Bahnhof Rath. Das Bahnhofsgebäude von 1874 steht nicht mehr. In den 1950er Jahren wurde ein schlichtes einstöckiges Gebäude errichtet, das inzwischen privat genutzt wird. Am 6. Dezember 1971 wurde der Personenverkehr zwischen Duisburg-Wedau und Mülheim-Speldorf eingestellt, am 23. September 1983 folgte die Einstellung des Personenverkehrs von Duisburg-Entenfang bis zum Bahnhof Düsseldorf-Rath. Seit dem nur noch eine wichtige Strecke für den Güterverkehr.
1982 wurde der 2053 Meter lange Eisenbahntunnel eröffnet. Die Bahn verschwin­det, vom Staufenplatz bis zum Rather Bf., unter der Erde und darüber entstand ein grünes Band mit neuen Wegen.
Seit langem wird gewünscht, den 1983 eingestellten regelmäßigen Personenver­kehr auf der Bahnstrecke zwischen Duisburg-Wedau und Düsseldorf-Rath wieder aufzunehmen. Im März 2023 veröffentlichte der VRR sein „SPNV-Zielnetz 2040“. Darin soll der Streckenabschnitt Düsseldorf-Rath bis Duisburg-Wedau vom Perso­nenverkehr genutzt werden. Die Endstationen der S-Bahn-Linien sollen in Duisburg Hbf und Bedburg (Erft) bzw. Düsseldorf Hbf sein. Die Erstellung des Betriebskonzepts und einer Machbarkeitsstudie sind bereits seit 2023 abgeschlossen.
Bereits 1886 wird eine Verbindung zwischen Derendorf und Rath um den An­schluss an die schon 1846 eröffnete Eisenbahn Strecke Köln-Deutz - Düsseldorf- Duisburg herzustellen, in Betrieb genommen. Zuerst eingleisig auf Straßenniveau, ab 1887 zweigleisig. Da die Strecke die Entwicklung des Stadtteils Mörsenbroich behinderte, wurde sie 1913 (1908?) durch eine zweigleisige Bahnlinie in Hochlage ersetzt.
 

P - Pahl’sche Gummi- und Asbest-Gesellschaft
      (Paguag) 

Am Gatherhof 41
Gründung 1886 Herstellung technischer Gummi- u. Asbestwaren. Vulkanisation / Automobilzulieferer, Bekanntheit durch den Gummischlauch „Die Goldschlange“ der 1930 patentiert wurde. Schon in den 1920er Jahren eine eigene BKK und Werks­feuerwehr. 1999 durch die C.F. GOMMA Germany GmbH übernommen, 2007 wur­de das Werk geschlossen. Das Grundstück musste wegen vieler Altlasten über Jahre saniert werden, bevor mit dem Bau der neuen Wohnsiedlung begonnen wer­den konnte. Als Erinnerung an die alte Nutzung wurden nur die großen Werksuh­ren von Paguag erhalten und aufgearbeitet. Sie wurden an zwei der neuen Häuserfassaden in der Wohnsiedlung angebracht und sind nachts illuminiert.

 P - Gebrüder Poensgen AG

Maschinenfabrik, In den Diken 40/Ecke Bochumer Str.
Gründung 1847 in Gemünd (Schleiden/Eifel) durch Albert und Julius Poensgen. Fabrik zur Herstellung von Bleirohren, später Wäschereimaschinen, 1860 Verlegung nach Rath und erster Industriebetrieb in Rath (die anderen Mitglieder der Familie Poensgen verlegten ihre Stahl- und Drahtwerke nach Oberbilk). 1899 Patent Fabrikation von Dampfheizungen mit der damals patentierten „Perking-Heizung“ begonnen. Abnehmer waren vor allem Hotels, Sanatorien, Krankenhäuser, aber auch Fabriken. Später führend auf dem Gebiet der Konstruktion und Herstellung von Wäschereimaschinen für Krankenhäuser, Hotels und Großwäschereien. Grundbesitz: 16.678 qm (ca. 2,5 Fußballfelder), Anlagen: Verwaltungsgebäude, Fabrikationsgebäude, Tischlerei, Lehrlingswerkstätten und ca. 250 Beschäftigte. Das im Krieg weitgehend zerstörte und durch Demontage des wertvollen Maschinenparks angeschlagene Unternehmen wurde wieder aufgebaut und von der Produktion kriegswichtiger Güter auf solche des zivilen Bedarfs wie vor allem Großwaschmaschinen in Edelstahl-Technik umgestellt. Das Unternehmen produzierte nun mit über 500 Mitarbeitern (1966) die ersten Frontal-Waschmaschinen und vollautomatische Waschmaschinenanlagen für Krankenhäuser, gewerbliche Wäschereien, Hotels etc. Bis Ende der 60er Jahre.

S – Sack & Kiesselbach 

Westfalenstr. 68, Quartiersplatz Rather Carré
Gründung 1891, Dampfmaschinen jeder Bauart (auch Locomotiven). Ein Auftrag im Jahr 1902 über zwei Dampfantriebe mit Schwungrad für das Mannesmann-Röhren­werk in Rath gilt als Meilenstein für das junge Unternehmen. Die Erfindung des Stauventils durch Clemens Kiesselbach, die eine Reduzierung des Dampfver­brauchs um 50 % ermöglichte, machte Sack & Kiesselbach schlagartig weltbe­kannt. Die 300 t schweren 11.000 kW-Dampfmaschinen mit Stauventil wurden hauptsächlich an Walzwerke in ganz Europa geliefert. 1911 wurden ca. 200 Arbeiter beschäftigt. Ab den 1930er Jahren wurden hydraulische Pressen produziert. 1974 wurde die eigene Produktion in den Montagehallen in Rath eingestellt, bis 2016 gab es ein Büro mit Vertrieb und Verkauf, dann die Sitzverlegung ins linksrheinische Meerbusch. Das Unternehmen ist heute spezialisiert auf Münz- und Industrie­pressen, die vornehmlich in der Erzeugung von Sammlerstücken und Me­daillen aus Edelmetallen sowie in der Pharmaindustrie eingesetzt werden. Nur die alten Bäume auf dem Quartiersplatz erinnern noch an das Werksgelände Sack & Kisselbach.

T – Trafostation - Technisches Denkmal 

Helmutstr. (bei Nr. 8), Baujahr ca. 1905
Trafostation mit Fachwerk. Das Objekt ist denkmalgeschützt, aufgrund seiner für Düsseldorf einzigartigen Gestaltung eines Trafogebäudes. Es veranschaulicht, mit welchem gestalterischen Anspruch selbst untergeordnete Gebäude in jener Zeit angelgt und wie technische Installationen in historisierenden Gewand in die Umgebung eingepasst wurde. Der rückwärtige Anbau ist nicht Teil des Denkmals.

V -Villa v. Fabrikant Hans Pahl (Paguag)

Reichswaldallee 25, Baudenkmal, Wohn- und Siedlungsbauten Neugotik, Baujahr 1899, Architekten Kayser und von Großheim

W - Wilhelm Weller GmbH 

Theodorstr. 96-102
Zu den Pionieren bei der Entwicklung von Vibrationswalzen gehörte die Düsseldorfer Maschinenfabrik Wilhelm Weller. „Das älteste Spezialhaus für Vibrationswalzen in Deutschland“ Herstellung von schweren Vibrationswalzen, Hersteller von schweren Großgerätewalzen bis zu 25 Tonnen Einsatzgewicht. Einrad- und Tandemwalzen, zudem wurden größere Anhängewalzen mit einem Gewicht von bis zu 5,5 Tonnen produziert. 1960  stellte Weller einen der ersten echten Walzenzüge in Deutschland her. 1963 erfolgte der Umzug von Volkardeyer Weg 24 in Unterrath zur Theodorstraße. Ein Teil der Weller-Maschinen wurde im Laufe der Firmengeschichte in den Werkshallen des Düsseldorfer Kran- und Baumaschinenherstellers Leo Gottwald gefertigt. Wurde 1973 von Tenneco (Case/Vibomax/Hohenzollernwerk) aufgekauft. Die Wellerwalzen hatten einen ebenso legendären Ruf wie die Vibromax Plattenverdichter und waren so die ideale Ergänzung zum bisherigen Programm. 

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